Neulich erzählte er mir von seinem großen
Wunsch, die Photographie als eine Kunstform zu unterstützen, die gleichberechtigt
neben der Bildhauerei, der Malerei und der Musik stehen sollte. Während
nämlich Aktgemälde in Museen und Galerien gesammelt werden und
Skulpturen von nackten Körpern auf öffentlichen Plätzen zu
finden sind und akzeptiert werden, sind Photographien von Pin-Ups teilweise
geradezu unverantwortlichem Argwohn ausgesetzt. Wenn er dann über die
Schwierigkeiten bei der Auswahl von Modellen und Umgebungen, der Auswahl
von Accessoires und ihrer Anordnung, dem langen Warten auf das für
seine Zwecke geeignete Licht erzählt, wird etwas von der geistigen
Anspannung deutlich, die die physische Anstrengung einer manchmal bis spät
in die Nacht dauernden Aufnahmereihe begleitet. So ganz nebenbei zollt er
auch der Agfa-Isola 1 und der Dacora-Digna 1 einen bedeutenden Tribut, wenn
er offenbart, daß alle Aufnahmen in der vorliegenden Sammlung mit
diesen beiden kleinen, wandlungsfähigen Kameras gemacht wurden. Darüberhinaus,
und das ist charakteristisch für ihn, mißt er Kameras grundsätzlich
keine weitere Bedeutung bei, "weil sie nur Werkzeuge sind, kleine Instrumente,
die sofort meinen Befehl ausführen und ein Bild in dem Moment festhalten
wenn ich es sehe". Trotz dieser scheinbaren Absage an das Handwerk
ist Theewen ein ausgezeichneter Techniker. Das wird allen Photographen deutlich
werden, die dieses Buch Seite für Seite mit großem Interesse
studieren werden und das nicht nur wegen der Schönheit der Modelle
und der raffinierten Anordnung. Aber mehr noch als der technische Fachverstand,
der unter Photographen keine Seltenheit ist, besitzt Gerhard Theewen die
Gabe in perfektem Einklang mit seinen Modellen arbeiten zu können.
Er tut dies ohne die ganze Sinnlichkeit des Subjekts zu verringern und das
ist es, was Gerhard Theewen zu einem großen Künstler macht.
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